Zur Geschichte des Dorfes

Die drei Dörfer gingen in ihrer Geschichte den größten Teil des Weges gemeinsam. Peres, Piegel und Pulgar waren uralte Siedlungsstätten. Wohl schon in der vorslawischen Zeit bewohnt, dann von Angehörigen slawischer Stämme als Dörfer gegründet, worauf der jeweilige slawische Wortstamm der Ortsnamen zurückgeführt werden kann, tauchten sie im 11. und 12. Jahrhundert erst so richtig aus dem Dunkel der Geschichte.Peres und Piegel erfuhren ihre urkundliche Ersterwähnung 1096/1150 (Peres) bzw. 1121/1145 (Piegel), während Pulgar erst seit 1464 urkundlich nachgewiesen ist. Allerdings wird es jedoch nach bisher urkundlich unbestätigter Datierung schon 1155 als Klosterhof des Klosters Pegau bezeichnet. Alle drei Dörfer verdanken also ihren Aufschwung dem feudalen Landesausbau des Wiprecht von Groitzsch und seiner Erben.

Die Entfernung zwischen den Ortschaften war gering. Bildete Peres (278 ha) mit dem Rittergut sozusagen das ökonomische Zentrum, so lag die Gemarkung des kleineren Piegel (159 ha) südlich und dessen dörflicher Kern nur einen km von Peres entfernt. Pulgar (232 ha) lag auch nur zwei Kilometer nordöstlich von Peres.

Tagebau Peres

Tagebau Peres

Dort in Pulgar befanden sich seit alters her Kirche und Schule auch für die Pereser, während Piegel lange Zeit nach Pödelwitz eingepfarrt und eingeschult war. Bis in das ausgehende Mittelalter waren die Pereser Rittergutsbesitzer gleichen Namens. also „von Peres“, die Herren. Um 1770 geriet dann das Rittergut in den Besitz von bürgerlichen Eigentümern, deren bedeutendsten die Rummells, Vater und Sohn, waren.

Peres, Piegel und Pulgar blieben Zeit ihrer Existenz ländlich-landwirtschaftlich geprägt, obwohl aufgrund der Nähe zur Industrie im Falle von Pulgar die Zahl der Industriearbeiter als Einwohner, insbesondere nach 1945 zunahm. In Pulgar wie auch in Peres und Piegel florierten auch nach 1945 bäuerliche Privatbetriebe. Nach 1952 bis 1960 existierten dann landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften in differenzierten Formen, die dann in Groß-LPG aufgingen.

Um das Individuelle, das Unverwechselbare der drei Dörfer hervorzuheben, so war ein Pereser Wahrzeichen das Herrenhaus des Rittergutes, nach 1963 die Pereser Schule. In Piegel, welches 1948 nach Peres eingemeindetworden war, galten als sehenswert die schönen Bauerngüter mit Fachwerk von großem Reiz sowie das uralte Spritzenhaus aus Lehm.

Zu Pulgar gehörten unabdingbar die Kirche, die Windmühle sowie die Schule von 1896, in deren Vorgängerbau sich zwischen 1803 und 1850 das sachsenweit berühmte Lehrerseminar des Johann Christoph Bauriegel befand. Auch Pulgar besaß attraktive Bauerngüter, welche als Dreiseitenhof angelegt waren wie das Gut Hofmann.

Ein dunkles Kapitel in der Geschichte unserer Dörfer war die Existenz mehrerer Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager während der Zeit des 2. Weltkrieges in den drei Gemarkungen. Berüchtigt war das sogenannte Holländerlager (Alpenrose) im östlichen Teil des Pereser Parks, welches sich seit Anfang 1944 ursprünglich auf der Kieritzscher Kippe befunden hatte (Höhensonne).

Zwangsarbeiterlager in der Region

Zwangsarbeiterlager in der Region

Die drei Dörfer sind endgültig von der Landkarte verschwunden. 1964 war der Aufschluß des Tagebaus Peres erfolgt, 1978 verabschiedeten sich die Piegeler, 1983 die Pereser von ihren Gemeinden. Bis 1976 war bereits für Pulgar das Aus gekommen, indem der Ort geräumt werden mußte.

Der Unterschied zu Peres und Piegel, welche überbaggert wurden, existiert die Oberfläche der Pulgarer Gemarkung noch, allerdings industriell ungenutzt. Nur der Dorfteich von Pulgar erinnert an die ursprüngliche Lage der Ortschaft.

Die Einwohner der dörflichen Gemeinden hatten ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Auch heute noch erinnern sich die Pereser, Piegeler und Pulgarer gern an die Stätten, welche einst ihre Heimat waren.

 

Durch den Bergbau verlorene Orte südlich von Leipzig:

Abtei Ortsteil von Borna seit 1934, überbaggert 1964/66

Bergisdorf Ortsteil von Lobstädt seit 1948, überbaggert 1951

Berndorf teildevastiert 1976

Blumroda überbaggert 1952/57

Bockwitz Ortsteil von Borna seit 1494, überbaggert 1987

Bösdorf überbaggert 1980/82

Borna Ost teilweise überbaggert 1964/65

Bosengröba Ortsteil von Ruppersdorf, überbaggert 1952

Breunsdorf Nachbarort von Heuersdorf, devastiert 1995

Cospuden teilweise überbaggert 1973/85

Cröbern überbaggert 1967/72

Crostewitz überbaggert 1967/72

Deutzen Devastierung der alten Ortslage 1961/63

Droßdorf überbaggert 1983

Elsterstrebnitz überbaggert 1963

Eythra überbaggert 1983/87

Gaschwitz teilweise überbaggert 1964/65

Gautzsch Ortsteil von Markkleeberg West, überbaggert 1986/87

Geschwitz Ortssteil von Rötha seit 1924, überbaggert 1951/53

Gestewitz teilweise überbaggert 1967/68

Göltzschen teilweise überbaggert 1977/80

Görnitz überbaggert 1961/63

Großdeuben Ost und West überbaggert 1956/63

Großhermsdorf Ortsteil von Heuersdorf, teildevastiert 1964/65

Guthegröba Ortsteil von Hain seit 1875, überbaggert 1969

Hain überbaggert 1969/70

Hartmannsdorf Ortsteil von Görnitz seit 1948, teilweise überbaggert 1957/60

Hartmansdorf bei Zwenkau, teilweise überbaggert 1975

Käferhain Otsteil von Methewitz seit 1948, Vorbereitung zur Devastierung 1985 und 1986

Kleinhermsdorf Ortsteil von Berndorf seit 1935, teilweise überbaggert 1960/61

Kleinzössen Ortsteil von Großzössen seit 1948, überbaggert 1968/71

Kötzschwitz teilweise überbaggert 1963

Kreudnitz Ortsteil von Hain seit 1948, überbaggert 1968/69

Lauer überbaggert 1983/86

Leipen Ortsteil von Pödelwitz seit 1948, überbaggert 1965/66

Lippendorf Umnutzung zum Industriestandort seit 1938

Löschütz Ortsteil von Hagenest, überbaggert 1957/58

Magdeborn überbaggert 1977/80

Markkleeberg Ost teilweise überbaggert 1920/30; 1974/75

Nehmitz überbaggert 1960/61

Neukieritzsch Ortsteil, überbaggert 1952/57

Pegau teilweise überbaggert 1963/64

Peres überbaggert 1982/83

Petsa überbaggert 1944/45

Piegel Ortsteil von Peres seit 1948, überbaggert 1976/78

Prödel überbaggert 1970/72

Pulgar Abriß und Umnutzung zum Industriestandort seit 1971

Ramsdorf-Löschnitzmühle überbaggert 1957/58

Regis Stadtteil von Regis-Breitingen seit 1920, teildevastiert 1960

Rüben überbaggert 1956/57

Ruppersdorf überbaggert 1948/56

Rusendorf überbaggert um 1932

Sabissa überbaggert 1955/56

Schleenhain überbaggert 1964/65

Spahnsdorf Ortsteil von Lippendorf seit 1934, Umnutzung zum Industriestandort seit 1965

Stöhna überbaggert 1956/57

Stöntzsch überbaggert 1964/65

Trachenau überbaggert 1962/65

Treppendorf Ortsteil von Trachenau seit 1935, überbaggert 1962/63

Vorwerk Auenhain überbaggert 1976

Witznitz Ortsteil von Borna seit 1940, überbaggert 1941/43

Wuitz überbaggert 1954/56

Zechau/Leesen überbaggert 1952/59

Zehmen überbaggert 1957/58

Zeschwitz überbaggert 1941/43

Zöbigker teilweise überbaggert 1971/73

Zöllsdorf Wüstung, Witwensitz von Katharina von Bora, überbaggert 1981

Zwenkau teilweise überbaggert 1956/76

 

Quellen: „Leipziger Landschaften“, Rudolstadt, 1987, S. 158 – 159

„Das Bornaer Pleißeland“, Leipzig, 1994, S. 216

Ausstellung „Verlorene Orte im Zwenkauer/Cospudener Tagebau“, Leipzig, 1987, S. 6

3 Kommentare zu Zur Geschichte des Dorfes

  • Raabe, Sabine sagt:

    Liebe Heimatfreunde, als zertifizierte Gästeführerin Leipziger Neuseenland habe ich heute in Vorbereitung mehrerer geführten Rundfahrten durch das Leipziger Neuseenland und speziell einer Tagebauführung im Vereinigten Tagebau Schleenhain Eure Seiten mit großem Interesse gelesen. Es ist schön zu wissen, dass die devastierten Orte und Ihre Bewohner nicht vergessen werden. Im Zeitraum von 1965 bis 1968 gehörte ich zu insgesamt 8 Azubis im Braunkohlenwerk Borna die speziell für den neuen Bandtagebau Peres erstmalig als Funkmechaniker für den Bergbau ausgebildet wurden. Heute mit fast 64 Jahren und dem nötigen Abstand betrachte ich den Bergbau aus einer anderen Perspektive. Fast 30 Jahre stand ich im Bergbau in Lohn und Brot! 1993 mußte ich wie so viele Andere wegen Betriebsteilschließung des Tagebaues Witznitz in die Arbeitslosigkeit gehen. Seit 1998 durfte ich die touristische Entwicklung der Bergbaufolgelandschaft als Gästeführerin begleiten. Visionen sind war geworden. Im Heimatverein des Bornaer Landes e, V. bin ich Mitglied. Im Jahr organisiere ich im Frühjahr und im Herbst die geführten thematischen Heimatfreunde-Ganztagesbustouren.

  • Antoniy Dimitrov sagt:

    Liebe Freunde, Ihr schreibt, die Siedlungsstätten seien „dann von Angehörigen slawischer Stämme als Dörfer gegründet, worauf der jeweilige slawische Wortstamm der Ortsnamen zurückgeführt werden kann“. Könnt Ihr vielleicht auch noch sagen, welche Worstämme das sind und was diese bedeuten? Herzlichen Dank!

  • Kroll Walter sagt:

    Guten Tag !
    Möchte mich mal bei euch melden
    ich habe mal gestöbert und bin auf die seiten
    von euch gestoßen
    nun ich suche schon lange so eine liste mit der verlorenen
    orten da habe ich mich sehr da rüber gefreud
    nun mein an liegen ich sammle von diesen orten brief belege
    mit stempel der post auch eine karte wo ein stempel des ortes ist
    nun könnt ihr mir auf diesen wege zu kommen lassen
    ob es in den orten je eine post war oder nur die etwas größern orte
    hatten eine post ich wirde mich sehr freuen etwas zu höhren
    auch wenn es nun ein paar mitteilungen sind wirde mich das freuen
    gruß aus leipzig w.kroll

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