Erinnerung an die Bombennacht

Lippendorfer gedenken der Opfer des schweren Luftangriffs am 12. Mai 1944

Von Detlef Bergholtz
Lippendorf. Unweit der Lippendorfer Hauptstraße steht er etwas an die Seite gerückt, der Gedenkstein von 1995 in Erinnerung an die Opfer Lippendorfs, welche die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert forderten. Unter den nahezu 60 Toten auf der Tafel befindet sich eine Reihe von Personen, die den gleichen Familiennamen tragen. Es sind mehrere Angehörige ganzer Familien, die während des schweren Luftangriffs vom 12. Mai 1944, der den Böhlener Werken galt, getötet wurden. Am Sonntag, dem 11. Mai 2014, versammelten sich Lippendorfer Einwohner zum Gedenken an den Tag vor 70 Jahren. Maritta Müller, geborene Paul, zu jener Zeit knapp acht Jahre alt, erinnert sich an die schrecklichen Ereignisse. „Meine Mutter hat den Angriff im Gänsestall erlebt, sie ist gar nicht mehr in den Bunker in unserem Garten gekommen“, erzählte sie. Die amerikanischen Flugzeuge kamen für den Ort selbst überraschend. Zwar hatte es bereits 1940 Angriffe gegeben, aber die systematischen insgesamt 13 schweren Bombenangriffe begannen 1944 mit dem 12. Mai. Ihr Vater arbeitete im Werk, die große Schwester im Konsum, sie waren also außer Haus. Durch einen Spalt im Stall erblickte Marittas Mutter über Lippendorf Brände, Dreckwolken. Als es vorbei war, auch die Toten. 20 erschlagene Menschen, darunter sechs Kinder. Es gab noch nicht den Zentralbunker in der Kippe, nur die selbst gegrabenen Erdbunker, verstärkt mit Gleisschwellen von Baggern.
Inge Kaltofen, geborene Müller, damals 17 Jahre alt, war im Konsum angestellt. Sie erblickte mit Schrecken die schwer ausgebombten Grundstücke am Ende des Dorfes, darunter das eigene. Vorläufig kam die Familie bei Bekannten unter, später in Böhlen. Gisela Eißner, geborene Kampe, damals acht Jahre alt, überlebte den Tag mit ihrer Familie. Sie wurde, als sie nachschauen wollte, ins Haus gezerrt. „Bei Fischers, bei Bärs hat es alles totgeschlagen“, hieß es. Das dürfe sie nicht sehen. Aber sie wird niemals das Bild vergessen, als die Großmütter der getöteten Familien gebeugt über die Särge, die aufgebahrt in einer Feldscheune bei Spahnsdorf standen, trauerten.
Am Tag des Gedenkens am Sonntag gaben Bürgermeister Henry Graichen (CDU) und Werner Eißner, Vorsitzender des Heimatvereins Lippendorf-Kieritzsch, in kurzen Worten dem Gedanken Ausdruck, dass sich derartiges nicht wiederholen dürfe. Allen Tendenzen der Gewalt müsse von vornherein Einhalt geboten werden.
Bürgermeister Henry Graichen am Gedenkstein in Lippendorf. Im Hintergrund: Werner Eißner.

Foto: Detlef Bergholtz

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